Termine · Stand 02.09.2026

Zurzeit finden alle vereinbarten Termine wie geplant statt. Muss ich Termine kurzfristig absagen, steht es an dieser Stelle. Die Betroffenen spreche ich zusätzlich persönlich an.

Aktuelle Meldungen

Meldung vom 10.07.2026

Praxisinformation zur gesetzlichen Budgetierung der Psychotherapie ab 2027

Liebe Patient*innen und Kolleg*innen,

der Bundestag hat am 10.07.2026 das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz beschlossen: Psychotherapeutische Leistungen werden ab 2027 budgetiert. Bisher galt: Jede Therapiestunde wird bezahlt. Künftig ist das nicht mehr so, da es eine „gedeckelte" Gesamtvergütung für den Bereich Psychotherapie gibt. Dabei waren Psychotherapeut*innen schon vorher die „Facharztgruppe", die in der ambulanten Versorgung ohnehin am wenigsten verdient: Das Zi-Praxis-Panel 2023 zeigt, dass Psychotherapeut*innen nur etwa ein Drittel des Facharzt-Niveaus verdienen.

Im Osten Brandenburgs besteht eine erhebliche Unterversorgung im Bereich Psychotherapie für Kinder und Jugendliche. Deshalb habe ich überdurchschnittlich vielen jungen Menschen Termine angeboten – in manchen Quartalen über 90 Kindern und Jugendlichen, obwohl ich nur einen „halben Kassensitz" habe. Das hat mich enorme Anstrengung gekostet. Durch die Budgetierung werde ich ab 2027 nur noch „durchschnittlich" viel arbeiten können, also voraussichtlich etwa 30 Kindern und Jugendlichen im Quartal Termine anbieten.

Wichtig für alle, die bereits bei mir in Behandlung sind

Bereits laufende Behandlungen führe ich selbstverständlich wie geplant fort.

Im September 2026 wird der Bundestag über mögliche Ausnahmen von den beschlossenen Kürzungen für die Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie entscheiden. Sobald darüber entschieden ist, informiere ich an dieser Stelle.

Ich bedauere diese gesundheitspolitische Entwicklung sehr, muss aber auf die Rahmenbedingungen des Gesetzgebers reagieren, um das Bestehen meiner Praxis langfristig zu sichern.

Kristof Schulze
Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut, Eisenhüttenstadt

Zum Hintergrund

Worum es bei dem Gesetz geht und was es für die Versorgung bedeutet, erklärt Dr. Christina Jochim, Bundesvorsitzende der Deutschen PsychotherapeutenVereinigung (DPtV), im Gespräch mit Anne Will. Das Interview ordnet die Entscheidung des Bundestages ein und beschreibt, welche Folgen die Budgetierung für Menschen hat, die einen Therapieplatz suchen.

Quelle: „Politik mit Anne Will" (direkt auf YouTube ansehen).

Nicht nur die Psychotherapie: auch die Kinder- und Jugendhilfe

Der Spardruck betrifft nicht allein die psychotherapeutische Versorgung. Bundeskanzler Friedrich Merz hat auf dem Kommunalkongress des Deutschen Städte- und Gemeindebundes die jährlichen Kostensteigerungen in der Kinder- und Jugendhilfe kritisiert und eine „umfassende Aufgabenüberprüfung im Sozialrecht" angekündigt. Dem Recht der Bedürftigen, so der Kanzler sinngemäß, müsse ebenso Rechnung getragen werden wie der Leistungsfähigkeit der öffentlichen Haushalte.

Vier Bundesfachverbände der Erziehungshilfe – AFET, BVkE, EREV und IGfH – haben darauf mit einem offenen Brief geantwortet. Ihr zentrales Argument: Aufwendungen in der Kinder- und Jugendhilfe seien eine Investition in eine zukunftsfähige Gesellschaft und keine konsumtiven Ausgaben.

Für die Familien, mit denen ich arbeite, hängt beides zusammen. Psychotherapie und Jugendhilfe greifen häufig ineinander: Eine Therapie kann wenig ausrichten, wenn die Lebensumstände eines Kindes nicht zugleich stabilisiert werden – und umgekehrt. Werden beide Bereiche gleichzeitig knapper, fehlt es Kindern und Jugendlichen an zwei Stellen auf einmal. Wie der Kinderschutz in Deutschland aufgestellt ist und wo seine strukturellen Schwächen liegen, beschreibe ich ausführlich im Ratgeber Kindeswohl.

Frühere Meldungen (1)

Erledigte Hinweise bleiben hier nachlesbar, damit nachvollziehbar bleibt, was in der Praxis geschehen ist.

Meldung vom 28.08.2026 Erledigt

Am Dienstag, dem 1. September 2026, entfallen meine Termine

Nachtrag vom 02.09.2026: Der Einsatz hat stattgefunden. Wer am 1.9.2026 einen Termin hatte, wird von mir persönlich wegen eines Ersatztermins angesprochen. Mehr zu meiner Arbeit im Notfallteam steht dauerhaft unter Über die Praxis.

An einer Schule hat sich am 27.08.2026 ein Ereignis zugetragen, das für viele Schülerinnen, Schüler und Beschäftigte sehr belastend ist. Ich werde am Dienstag, dem 1. September 2026, an dieser Schule im Einsatz sein. Die für diesen Tag vereinbarten Psychotherapie-Termine kann ich deshalb nicht wie geplant durchführen.

Was das für Dienstag bedeutet

Alle Termine am 1.9.2026 fallen aus. Sie müssen nichts tun und nichts absagen, und ein Ausfallhonorar entsteht dadurch selbstverständlich nicht.

Warum ich nicht in der Praxis bin

Die meisten Patient*innen kennen mich nur aus der Praxis. Ich arbeite aber nicht ausschließlich dort: Ich gehöre zum Notfallteam der Unfallkasse Brandenburg und habe von Zeit zu Zeit Einsätze in der psychosozialen Notfallversorgung. Solche Einsätze lassen sich nicht planen. Wenn das Team gerufen wird, zählen Stunden, nicht Wochen, und genau darin liegt der Sinn der Sache.

Was psychosoziale Notfallversorgung ist

Psychosoziale Notfallversorgung, meist als PSNV abgekürzt, meint die Betreuung von Menschen unmittelbar nach einem schwer belastenden Ereignis: nach einem schweren Unfall, einem Todesfall in der Schule, einer Gewalttat oder einem Großschadensereignis. Fachkräfte kommen dann in die Einrichtung und sind vor Ort ansprechbar, für Betroffene ebenso wie für Angehörige und für die Beschäftigten, die weiterarbeiten müssen, während sie selbst erschüttert sind.

Psychotherapie ist das ausdrücklich nicht. Es geht in den ersten Tagen darum, Ordnung in eine Lage zu bringen, die sich für alle Beteiligten ungeordnet anfühlt: Was ist geschehen, was kommt als Nächstes, wer ist erreichbar, wenn es abends schlechter wird. Schlafstörungen, aufdringliche Erinnerungen, Schreckhaftigkeit oder das Gefühl, alles sei unwirklich, sind in dieser Situation normale Reaktionen auf ein sehr unnormales Ereignis. Bei den meisten Menschen klingen sie von selbst wieder ab. Wo das nicht geschieht, erhöht eine gute Begleitung in den ersten Tagen die Wahrscheinlichkeit, dass daraus keine dauerhafte Störung wird. Was danach kommen kann, beschreibe ich im Ratgeber Trauma und unter Posttraumatische Belastungsstörung.

Die Unfallkasse Brandenburg ist der gesetzliche Unfallversicherungsträger für Schulen, Kitas, Hochschulen und den öffentlichen Dienst im Land. Sie hat ihr Notfallteam aufgebaut, damit Betroffene nach einem schweren Ereignis nicht monatelang auf psychologische Unterstützung warten, so lange also, wie es sonst auf einen Therapieplatz dauert.

Alternativtermine

Ich melde mich bei allen, die am Dienstag einen Termin hatten, und biete einen Ersatztermin an. Darum bemühe ich mich sehr, auch wenn mein Kalender ohnehin voll ist. Wo es eng wird, kommen die Behandlungen zuerst, bei denen ein Aufschub fachlich nicht vertretbar wäre.

Wenn es bis zum Ersatztermin akut schlecht wird

In einer akuten Notlage: Notruf 112. Telefonseelsorge 0800 111 0 111, rund um die Uhr und kostenfrei. Nummer gegen Kummer für Kinder und Jugendliche 116 111. Weitere Anlaufstellen stehen unter Weitere Hilfe.

Ich bitte um Verständnis dafür, dass ich am Dienstag woanders gebraucht werde.

Kristof Schulze
Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut, Eisenhüttenstadt